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18. November 1938

Herr X. aus Düsseldorf teilt mit, dass er aus zuverlässigsten Meldungen weiß, dass zuerst die Gemeinde und, soweit feststellbar, ein großer Teil des Repräsentantenkollegiums, darunter die Herren Felsenthal sen., Oberlandesgerichtsrat Franken, Louis Elkan mit den beiden Rabbinern Dr. Escheibacher und Dr. Klein, verhaftet worden sind. Frau Escheibacher wollte ihren Mann nicht verlassen und hat mit einer anderen jüdischen Dame, die ebenfalls ihren Gatten nicht verließ, in einer Zelle des Gefängnisses gesessen. Die beiden Damen haben dann nach einigen Tagen das Gefängnis verlassen. Frau Elkan konnte Dienstag ihrem Mann Wäsche bringen und ihn besuchen.

Im „Algemeen Handelsblad”, Morgenblatt vom 18. November, wird veröffentlicht, dass Justizrat Löwisohn verletzt sei. Herr Justizrat Löwisohn ist seit 10 Jahren tot.

Aber: Gegenüber dem Hause von Frau Justizrat Löwisohn ist ein Restaurant Karema, Inhaber Marcus. Frau Marcus hat eine Stirnverletzung und zwei Bauchschüsse bekommen. Sie wurde zu dem schräg gegenüber wohnenden Dr. Löwenberg gebracht (neben dem Haus von Frau Justizrat Löwisohn), der sie verbunden hat. Herr Marcus, der nicht zuhause gewesen war, hörte von der Verwundung seiner Frau, lief zu Dr. Löwenberg und wurde bei dieser Gelegenheit erschossen. Der über 80 Jahre alte Herr Cohn, Inhaber der Firma Schickenberg in Düsseldorf, Haushaltungsgegenstände, wurde von der Horde im Nachthemd auf die Straße getrieben. Auf der Straße soll ihm noch das Nachthemd ausgezogen worden sein. Einer der drei Söhne des Herrn Cohn liegt mit sieben Messerstichen im Krankenhaus, der andere Sohn liegt ebenfalls im Krankenhaus mit Schädelbruch, der dritte Sohn ist in Maastricht Angestellter einer Stahlhandlung. Die Frau des Herrn Cohn, der die sieben Messerstiche erhalten hat, ist zurzeit in Maastricht. Fräulein … aus Düsseldorf, die sich auf der Durchreise nach Amerika in Amsterdam aufhält, erklärte, dass ein SA-Mann, der gezwungen wurde, die Aktion mitzumachen, nach der Aktion erklärte, es sei so schrecklich gewesen, was er hätte tun müssen, dass er sich, wenn er nicht Frau und Kinder hätte, das Leben nehmen würde.

Herr Moritz Klein, 5 Amsterdam, Minervalaan 83, Tel. 90648

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